Berühmte Einsiedler

Jeder Ort ist stolz auf seine mehr oder weniger bedeutenden Vorfahren; wir Einsiedler bilden da keine Ausnahme.

Der bedeutendste ist natürlich der Heilige Meinrad, denn ohne ihn gäbe es Einsiedeln gar nicht. Während 26 Jahren lebte er dort, wo heute das Kloster steht, als Einsiedler Mönch in einer selbstgebauten Klause.

Der Heilige Meinrad wird von den Räubern erschlagenDer Heilige Meinrad war der erste Bewohner im Gebiete des heutigen Einsiedeln. Zur Zeit Karls des Grossen (ca. 800) im Sülchgau (bei Rottenburg, BW) geboren, kam er zur Erziehung ins Kloster Reichenau. Diesem Kloster trat er als Mönch bei und wurde als Lehrer an die Klosterschule von Babinchova am Tuggenersee gesandt.

Sein Wunsch war es jedoch, als Einsiedler-Mönch nur Gott allein zu dienen. Mit Erlaubnis des Abtes baute er sich deshalb 838 auf dem Etzelpass eine Klause. Der vielen Besucher überdrüssig, zog er sieben Jahre später tiefer in den 'Finsteren Wald' und baute sich am Orte des heutigen Klosters eine Kapelle. Nur von wenigen Leuten besucht, verbrachte er dort ein gottgeweihtes Leben.

Im Jahre 861 jedoch wurde er von zwei Räubern, die Schätze zu finden hofften, erschlagen. Nach der Legende besass Meinrad zwei handzahme Raben. Diese verfolgten die Mörder bis nach Zürich, wo diese gefangengenommen und hingerichtet wurden. Die beiden Raben zieren heute noch das Wappen von Einsiedeln. Der Leichnam des heiligen Meinrad wurde ins Kloster Reichenau überführt. Im Jahre 1039 wurden seine Gebeine ins Kloster Einsiedeln gebracht.


Der berühmteste Einsiedler ist zweifellos Paracelsus. Etwa drei Kilometer ausserhalb des Dorfes bei der sogenannten Teufelsbrücke am Etzel geboren, verliess er später seine Heimat, um als Wanderarzt jene Kenntnisse und Einsichten zu gewinnen, die ihn zum Begründer der modernen Medizin werden liessen.

ParacelsusParacelsus - mit bürgerlichem Namen Theophrastus Bombastus von Hohenheim - wurde 1493 oder 94 in der Nähe der heutigen Teufelsbrücke geboren. Sein Vater war ein aus Schwaben zugezogener Arzt; seine Mutter stammte aus Einsiedeln. Nach dem Tod der Mutter im Jahre 1502 zog der Vater mit dem Knaben nach Villach (Kärnten, A).

Paracelsus begann seine Laufbahn als Hospitant an der Bergschule und als Laborant in den nahegelegenen Bergwerken. Anschliessend studierte er Medizin und promovierte an der Universität in Ferrara. Nach einer ersten Tätigkeit als Feldarzt, liess er sich 1524 in Salzburg als Arzt nieder. 1527 ernannte ihn Basel zum Stadtarzt und Universitätsprofessor. Mit seinen neuartigen Ansichten machte er sich schnell Feinde, so dass er ein Jahr später gezwungen war aus Basel zu fliehen. Nun folgte ein lehrreiches jedoch unstetes Wanderleben. 1541 kehrte er nach Salzburg zurück, wo er am 24. Sept. verstarb.

Der Ruf von Paracelsus als Begründer der modernen Medizin beruht einerseits auf den von ihm entwickelten Heilmittel aus anorganischen Verbindungen, andererseits auf der ganzheitlichen Betrachtung von Krankheit, die leiblich, seelisch und geistig behandelt werden müsse. Damit bezog er nicht bloss Chemie und Physik, sondern auch Psychologie, Philosophie und Theologie in die Behandlung mit ein. Dieser ganzheitliche Aspekt hat Paracelsus in jüngerer Zeit zu neuer Aktualität verholfen.


Der Dichter Meinrad Lienert den ältere Einsiedler noch persönlich gekannt haben, gilt als Begründer der Schweizer Mundartdichtung. Noch vor nicht allzu langer Zeit war ein (deutsch-)schweizerisches Schulbuch ohne seine Gedichte oder Sagen nicht vorstellbar.

Meinrad LienertMeinrad Lienert wurde am 21. Mai 1865 in Einsiedeln geboren. Nach einem Jura-Studium wurde er 1891 in Einsiedeln Notar. Mit zwei Kompagnons übernahm er 1899 die Lokalzeitung "Einsiedler Anzeiger" und wurde deren Redaktor.

1899 zog er nach Zürich wo er vorerst die Redaktion der Zeitung "Die Limmat" übernahm um sich später dann als freier Schriftsteller zu etablieren. Noch einmal wechselte er 1919 in den Journalismus und wurde für zwei Jahre Redaktor der "Zürcher Volkszeitung". Im selben Jahr erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Zürich. 1923 zog es ihn wieder in seine alte Heimat zurück. Am 26. Dezember 1933 starb er in Küsnacht.

Die ersten Mundartgeschichten veröffentliche Meinrad Lienert in der NZZ. 1891 erschienen diese zusammengefasst im "Flüehblüemli". Zu seinen wichtigsten Mundartwerken gehört die Gedichtsammlung "s Schwäbelpfyffli" (1906, 1913, 1920). Daneben verfasste er aber auch unzählige Kurzgeschichten, Novellen und Romane auf Hochdeutsch. Die bedeutendsten sind: Schweizer Sagen und Heldengeschichten (1914), Der König von Euland (1928), Der doppelte Mathias und seine Töchter (1929).