Kälin, lauter Kälin

Familiennamen sind nicht gleichmässig über die ganze Welt verteilt, sondern sie kommen an bestimmten Orten gehäuft vor. Ein Name, der in Einsiedeln besonders häufig vorkommt, ist Kälin. Nimmt man das Telefonbuch als Anhaltspunkt, dann trägt jeder zwölfte Einsiedler diesen Nachnamen. Da es auch bei den Vornamen häufigere und weniger häufigere gibt, muss dies zwangsläufig zu Namens-Doppelgängern führen. Ein Blick ins Telefonbuch bestätigt dies: es vermeldet einundzwanzig Josef Kälin und ebensoviele Franz Kälin, ausserdem elf Alois Kälin und je zehn Walter und Meinrad Kälin.

Wie Sie sich denken können, haben die Einsiedler nun ein Problem. Nehmen wir an, es heisse im Dorf, der Franz Kälin sei von der Leiter gestürzt und habe sich das Bein gebrochen. Stellt sich sogleich die Frage, welcher Franz Kälin? Der Maler? Der Spengler? Der Zimmermann? Oder vielleicht der Fotograf auf der Suche nach dem perfekten Aufnahme-Standpunkt? Oder...

Mit dieser Aufzählung ist auch schon angedeutet, wie das Problem gelöst werden kann; zum Teil wenigstens. Denn es gibt immer noch zwei "Foto Franz". Da es sich hierbei um Vater und Sohn handelt, ist die Lösung noch einfach: der eine ist eben "der Alte" und der andere "der Junge". Bei den beiden "Maler Franz" wird es schwierig; der eine ist zwar pensioniert, aber dies schützt ihn wohl kaum vor einem möglichen Sturz von der Leiter.

Weitere Lösungsansätze sind also gefragt. Neben Beinamen, deren Ursprung leicht zu erraten ist wie z.B. bei Wohnortsbezeichnungen ("Mösli-Toni", "Drei-Kreuzeren-Martin") wissen bei vielen anderen oft nur die Namensträger selber woher der Beiname stammt ("Gummi", "Köpfli" oder "Lali"). Für alle Bei- und Übernamen gilt übrigens: man kann sie nicht selber wählen und man wird sie nicht mehr los; oft werden sie sogar über Generationen weitervererbt.

Das folgende amüsante Beispiel zeigt Ihnen wie solche Beinamen entstehen können. Ein Dachdecker - natürlich ein Kälin - arbeitete auf einem Dach; unten auf der Strasse ging ein anderer Kälin vorbei und rief zu seinen Namensvetter hinauf: "Siehst du Paris?" "Nein", entgegnete der, "es hat Nebel". Seither gibt es in Einsiedeln die Familie der Nebels und die der Pariser.

Der Fall der beiden Walter Kälin, die den selben Arbeitgeber hatten, sei als weiteres Beispiel genannt. Der eine hatte seinen Beinamen "Platzi" vom Grossvater "Placid" (Placidus) geerbt; beim anderen kamen die Kollegen auf die Idee, dessen Auto als Unterscheidungsmerkmal heranzuziehen. Da dies ein Opel GT war, wurde aus ihm der "Walter Kälin GT".

Nun bleibt eigentlich nur noch die Frage zu klären, wie ich zu meinem Beinamen kam. Schauen Sie mal im Duden nach!